Amazon Pay überweist dir keine einzelnen Zahlungen, sondern den Saldo einer Abrechnung: Zahlungseingänge minus Gebühren, Erstattungen, Rückbuchungen und Rücklage. Wer nur die Überweisung bucht, verliert Umsatz und Gebühren aus dem Blick. Diese Anleitung zeigt, wie du den Abrechnungsbericht liest, welche Zeilenart wohin gehört und wie das Verrechnungskonto am Ende zum Saldo bei Amazon passt.
- Amazon Pay buchst du über ein eigenes Verrechnungskonto für dein Guthaben bei der Amazon Payments Europe S.C.A. in Luxemburg: Zahlungseingänge brutto hinein, Gebühren, Erstattungen, Rückbuchungen und Überweisungen hinaus.
- Grundlage ist der Abrechnungsbericht in Seller Central unter Berichte, Zahlungen. Jede Zeile trägt einen TransactionType wie Capture, Refund, Chargeback, A-to-z Guarantee Claim, Reserve oder Transfer und weist Betrag und Gebühr in getrennten Spalten aus.
- Laut Amazon wird ein Konto im Regelfall erstmals 14 Tage nach der ersten Zahlung abgerechnet, danach täglich; die Überweisung braucht 3 bis 5 Werktage und läuft in der Buchhaltung über das Geldtransitkonto.
- Rücklagen sind laut Amazon weder Einnahmen noch Ausgaben. Sie gehören auf ein Interimskonto, nicht auf Erlöse oder Gebühren.
- Über die API hält Amazon Abrechnungsberichte höchstens 90 Tage bereit. Ältere Monate lädst du in Seller Central herunter und archivierst sie selbst.
Welche Konten brauchst du für Amazon Pay?
Du brauchst ein Verrechnungskonto für das Amazon-Pay-Guthaben, ein Gebührenkonto, das Geldtransitkonto für Überweisungen und ein Interimskonto für Rücklagen und Bewegungen, die keiner festen Regel folgen. Die Nummern unten sind die üblichen Vorschläge; das Verrechnungskonto gibt der Kontenrahmen nicht vor, es vergibt deine Kanzlei. Mehr zur Auswahl im Guide SKR03 und SKR04 für Zahlungsdienstleister.
| Zweck | SKR04 | SKR03 |
|---|---|---|
| Amazon-Pay-Guthaben (Verrechnung) | frei, von der Kanzlei vergeben | frei, von der Kanzlei vergeben |
| Gebühren Zahlungsverkehr | 6855 | 4970 |
| Geldtransit | 1460 | 1360 |
| Bank | 1800 | 1200 |
| Erlöse Inland 19 % | 4400 | 8400 |
| Erlöse EU-Privatkunden (OSS) | 4320 | 8330 |
| Erlöse Drittland | 4338 | 8338 |
| Interimskonto für Rücklage und Ungeklärtes | frei, von der Kanzlei vergeben | frei, von der Kanzlei vergeben |
Der Abrechnungsbericht: wo du ihn findest und was in den Spalten steht
Den Abrechnungsbericht findest du in Seller Central im Menü Berichte unter Zahlungen, Registerkarte Alle Abrechnungen. Amazon erzeugt ihn täglich als durch Komma getrennte Textdatei. Für einen ganzen Monat gibt es auf der Registerkarte Berichte nach Zeitraum einen eigenen Bericht, der allerdings auch noch offene Abrechnungen enthalten kann. Für die Buchhaltung ist deshalb der Bericht je Abrechnung die sicherere Quelle.
Die Spalten beschreibt Amazon in der Entwicklerdokumentation zum Abrechnungsbericht:
| Spalte | Bedeutung | Wofür du sie brauchst |
|---|---|---|
| SettlementId | Kennung der Abrechnung | ordnet jede Zeile einer Überweisung zu |
| TransactionPostedDate | Zeitpunkt der Gutschrift oder Belastung | Buchungsdatum |
| TransactionType | Art der Zeile, etwa Capture, Refund, Chargeback, Transfer | entscheidet über die Buchung |
| AmazonOrderReferenceId und SellerOrderId | Bestellung bei Amazon und deine eigene Bestellnummer | Verbindung zu Rechnung und Shop |
| TransactionAmount | Betrag, der dem Konto gutgeschrieben oder belastet wird | Umsatz, Erstattung oder Rückbuchung brutto |
| TransactionPercentageFee und TransactionFixedFee | prozentuale Bearbeitungsgebühr, bei Capture einschließlich grenzüberschreitender Gebühr, und feste Autorisierungsgebühr | Gebührenbuchung |
| NetTransactionAmount | Betrag abzüglich Gebühr | Kontrolle, nie als Umsatz buchen |
| CurrencyCode | Währung der Zeile | Fremdwährung erkennen |
Jede Zeilenart und ihre Buchung
Gebucht wird nach dem TransactionType. Mit Debitor gebucht entsteht zuerst die Rechnung (Debitor an Erlös), dann der Zahlungseingang gegen den Debitor. Ohne Debitor bucht die Kanzlei den Erlös direkt gegen das Verrechnungskonto.
| TransactionType | Was passiert | Soll | Haben |
|---|---|---|---|
| Capture | Zahlung eingezogen | Amazon-Pay-Verrechnung | Debitor oder Erlöskonto |
| Gebühr zur Capture-Zeile | Bearbeitungs- und Autorisierungsgebühr einbehalten | 6855 (4970) | Amazon-Pay-Verrechnung |
| Authorization | Autorisierungsgebühr für eine Autorisierung ohne Capture | 6855 (4970) | Amazon-Pay-Verrechnung |
| Dispute | Belastung, um eine Anfechtung einzuleiten, mit fester Gebühr | 6855 (4970) für die Gebühr, Betrag klären | Amazon-Pay-Verrechnung |
| Refund | Erstattung an den Kunden | Debitor oder Erlöskonto (Gutschrift) | Amazon-Pay-Verrechnung |
| Chargeback, A-to-z Guarantee Claim | Rückbuchung oder Garantieantrag belastet, bei gewonnenem Fall gutgeschrieben | Debitor oder Erlöskonto bei Belastung, Verrechnung bei Gutschrift | Verrechnung bei Belastung, Debitor oder Erlöskonto bei Gutschrift |
| Reserve, Carryover | Rücklage einbehalten oder freigegeben, Saldo vorgetragen | Interimskonto beim Einbehalt, Verrechnung bei Freigabe | Verrechnung beim Einbehalt, Interimskonto bei Freigabe |
| Adjustments, Debt | Anpassung durch Amazon, Belastung, wenn das Guthaben eine Erstattung nicht deckt | Interimskonto bei Belastung, Verrechnung bei Gutschrift | Verrechnung bei Belastung, Interimskonto bei Gutschrift |
| Transfer | Überweisung auf dein Bankkonto | 1460 (1360) | Amazon-Pay-Verrechnung |
Den Umsatz bucht immer der Betrag aus TransactionAmount, nie der Nettobetrag. Wer netto bucht, meldet zu wenig Umsatz und verliert die Gebühr als eigenen Aufwand.
Beispiel: eine Bestellung über 119,00 € von der Zahlung bis zur Bank
Ein Kunde aus Deutschland zahlt 119,00 € brutto mit Amazon Pay. Laut Gebührenübersicht für Deutschland kostet das bei einem Zahlungsvolumen unter 50.000 € im Monat 1,9 % Bearbeitungsgebühr plus 0,35 € Autorisierungsgebühr, hier also rund 2,26 € plus 0,35 €, zusammen 2,61 €. Die genaue Gebühr steht in der Zeile des Abrechnungsberichts. Wie die Umsatzsteuer auf die Gebühr zu behandeln ist, steht im Guide Amazon Pay Gebühren buchen.
| Vorgang | Soll SKR04 (SKR03) | Haben SKR04 (SKR03) | Betrag |
|---|---|---|---|
| Rechnung an den Kunden, 19 % | Debitor | 4400 (8400) | 119,00 € |
| Capture im Abrechnungsbericht | Amazon-Pay-Verrechnung | Debitor | 119,00 € |
| Gebühr der Capture-Zeile | 6855 (4970) | Amazon-Pay-Verrechnung | 2,61 € |
| Transfer am Abrechnungstag | 1460 (1360) | Amazon-Pay-Verrechnung | 116,39 € |
| Eingang auf dem Bankkonto | 1800 (1200) | 1460 (1360) | 116,39 € |
Auszahlung: wann Amazon Pay überweist und wie du sie buchst
Amazon Pay rechnet ein Konto laut Hilfe im Regelfall erstmals 14 Tage nach der ersten Zahlung ab, danach täglich. Ist der Saldo positiv und ein Bankkonto hinterlegt, veranlasst Amazon eine Überweisung, die laut Amazon 3 bis 5 Werktage braucht. Änderst du die Bankverbindung, hält Amazon Auszahlungen drei Tage lang zurück. Ist der Saldo negativ, zieht Amazon den Betrag über die hinterlegte Zahlungsweise für Einzüge ein.
Die Überweisung buchst du nie als Umsatz, sondern als Umbuchung: Geldtransit an Amazon-Pay-Verrechnung am Tag der Transfer-Zeile, Bank an Geldtransit am Tag des Bankeingangs. So bleibt nichts hängen, wenn eine Überweisung über den Monatswechsel läuft. Warum das Geldtransitkonto dafür da ist, erklärt der Guide Geldtransitkonto 1360 und 1460.
Rücklage: Geld, das Amazon zurückhält
Amazon Pay hält einen Teil deines Guthabens als Rücklage zurück, um Rückbuchungen, Erstattungen und A-bis-z-Garantieanträge abzudecken. Neue Händler stehen in Rücklagenkategorie I: Amazon behält 100 % der Zahlungen der letzten 7 Tage oder den Betrag aller offenen Streitfälle, je nachdem, was höher ist. Nach 3 Monaten und mindestens 100 Bestellungen steigt das Konto laut Amazon in Kategorie II auf, in der sich die Rücklage aus dem Tagesdurchschnitt der letzten 30 Tage und der Rate an Bestellmängeln ergibt.
Laut Glossar von Amazon sind Rücklagen-Einbehalte und Freigaben weder Einnahmen noch Ausgaben, sie verschieben nur den Zeitpunkt der Auszahlung. Buch sie deshalb zwischen dem Verrechnungskonto und einem Interimskonto hin und her. Über die Zeit gleicht sich das Interimskonto aus; ein Saldo, der stehen bleibt, ist ein Hinweis auf einen ungeklärten Streitfall.
Wie weit zurück kommst du an die Daten?
Über die Amazon Pay API sind Berichte laut Entwicklerdokumentation höchstens 90 Tage abrufbar, der Abrechnungsbericht entsteht automatisch mit jeder Abrechnung und lässt sich nicht nachträglich erzeugen. Amazon empfiehlt in der Hilfe selbst, Kopien der Berichte für die eigenen Unterlagen zu speichern, und schreibt in der Nutzungsvereinbarung, dass du für die Aufzeichnung und Abstimmung deiner Zahlungen verantwortlich bist.
Praktisch heißt das: Lade die Berichte jeden Monat herunter oder verbinde früh ein Werkzeug, das sie laufend abholt. Was älter als 90 Tage ist, bekommt keine Software mehr über die Schnittstelle.
Automatisch mit Meridian
Amazon Pay ist in Meridian noch Beta: Den Zugang fragst du nach der Anmeldung an, wir schalten ihn für dein Konto frei. Direkt verbinden kannst du heute Mollie, Stripe, PayPal und CoinGate.
Meridian liest die Abrechnungsberichte deines Amazon-Pay-Kontos mit einem Schlüsselpaar aus Integration Central und ruft dazu die Adressen der Bestellung ab. Daraus entstehen eine Rechnung nach § 14 UStG je Zahlung, eine Gutschrift je Erstattung und die Geldseite als EXTF-Stapel: Zahlungseingang und Gebühr als getrennte Zeilen, Überweisungen über Geldtransit, Rücklage, Vorträge und Anpassungen sichtbar auf dem Interimskonto. Zeilen in einer anderen Währung als Euro bucht Meridian nicht mit einem selbst gewählten Kurs, sondern zählt sie und weist sie in der Abstimmung aus.
Verbindest du Amazon Pay heute, holt Meridian die Abrechnungen so weit zurück, wie Amazon sie bereithält, also bis zu 90 Tage, und danach jede neue selbst. Verrechnungskonto und Interimskonto sind bewusst nicht voreingestellt, beide vergibt deine Kanzlei. Mehr zur Anbindung auf der Seite Amazon Pay DATEV Schnittstelle.
Häufige Fragen
Buche ich bei Amazon Pay die Überweisung als Umsatz?
Nein. Umsatz ist, was dein Kunde zahlt, im Abrechnungsbericht die Spalte TransactionAmount der Capture-Zeile. Die Überweisung ist der Saldo einer Abrechnung nach Gebühren, Erstattungen und Rücklage und wird nur über das Geldtransitkonto gebucht.
Wo finde ich den Amazon-Pay-Abrechnungsbericht?
In Seller Central im Menü Berichte unter Zahlungen. Auf der Registerkarte Alle Abrechnungen liegt der Bericht je Abrechnung, auf Berichte nach Zeitraum kannst du einen Monat oder einen freien Zeitraum erzeugen.
Ist die Amazon-Pay-Rücklage ein Aufwand?
Nein. Laut Amazon ist die Rücklage weder Gebühr noch Ausgabe, sondern Geld, das voraussichtlich später freigegeben wird. Sie gehört auf ein Interimskonto.
Ist Amazon Pay dasselbe wie mein Amazon-Verkäuferkonto?
Nein. Amazon Pay ist die Zahlart in deinem eigenen Shop. Verkäufe auf dem Amazon-Marktplatz laufen über ein anderes Konto und andere Berichte und werden getrennt gebucht.
Quellen
- Amazon Pay Hilfe: Abrechnungsberichte
- Amazon Pay Hilfe: Bericht nach Zeitraum erstellen
- Amazon Pay Hilfe: Glossar für Amazon Pay-Berichte
- Amazon Pay Hilfe: Auszahlung von Guthaben
- Amazon Pay Hilfe: Rücklagenrichtlinie
- Amazon Pay Hilfe: Länderspezifische Gebührenübersicht
- Amazon Payments Europe Nutzungsvereinbarung, Händlerkonten
- Amazon Pay Developer: Settlement Report Details
- Amazon Pay API v2: Reports
Die Anbindung an Amazon Pay läuft in Meridian als Beta. Den Zugang fragst du nach der Anmeldung an, wir schalten ihn für dein Konto frei. Danach bucht Meridian Amazon Pay automatisch in DATEV: 99,99 € netto im Monat, 14 Tage kostenlos.