Wer von Stripe oder Mollie zu Paddle wechselt, bucht oft weiter wie gewohnt: Kundenumsatz brutto, OSS für EU-Kunden, die Differenz zur Auszahlung als Gebühr. Bei Paddle stimmt davon nichts. Paddle ist Merchant of Record, verkauft also selbst an deine Kunden und kauft dein Produkt vorher bei dir ein. Gebucht wird dieser Einkauf, und der Beleg dafür ist die Reverse Invoice, die Paddle zu jeder Auszahlung erzeugt.
- Paddle ist Merchant of Record: Laut Master Services Agreement ist Paddle Wiederverkäufer (Reseller) deines Produkts, verkauft selbst an deine Kunden und zahlt dir die Supplier Fee, also den Verkaufspreis abzüglich Sales Tax, Paddle Discount und weiterer vereinbarter Abzüge.
- Beleg ist die Reverse Invoice, die Paddle je Auszahlung automatisch erzeugt: eine für Verkäufe in den USA von Paddle.com Inc. und eine für alle übrigen Länder, für deutsche Verkäufer von Paddle.com Market Limited aus dem Vereinigten Königreich. Eine eigene Rechnung schreibst du weder an Paddle noch an die Endkunden.
- Beide Käuferinnen sitzen im Drittland. Nach § 3a Abs. 2 UStG liegt der Ort deiner Leistung dort, in Deutschland ist sie nicht steuerbar: Erlöskonto 4338 im SKR04 oder 8338 im SKR03, Kennzahl 45 der Voranmeldung, keine Zusammenfassende Meldung, kein OSS.
- Die Paddle-Gebühr (für Paddle Checkout laut Vertrag 5 % des Verkaufspreises plus 0,50 $) buchst du nicht als Aufwand, sie ist als Paddle Discount schon abgezogen. Eine SWIFT-Gebühr von 15 $, 15 € oder 15 £ kommt nur dazu, wenn die Auszahlungswährung nicht die Währung deines Bankkontos ist. Paddle zieht sie ab, bevor die Reverse Invoice entsteht; wie du sie buchst, legst du einmal mit deiner Kanzlei fest.
Was Merchant of Record für deine Buchhaltung heißt
Merchant of Record heißt: Paddle ist gegenüber deinem Kunden der Verkäufer. Im Master Services Agreement setzt du Paddle als Wiederverkäufer ein, Paddle schließt den Kaufvertrag mit dem Kunden, kassiert, führt die Umsatzsteuer des Kunden ab und zahlt dir einmal im Monat deinen Anteil aus. Deine Leistung geht an Paddle, nicht an den Kunden.
Für die Buchhaltung ändert das fast alles, was du von einem Zahlungsdienstleister kennst. Die Tabelle stellt beide Modelle nebeneinander. Den rechtlichen Hintergrund für Plattformen, die selbst verkaufen, erklärt der Artikel Wenn die Plattform verkauft, den Vergleich mit anderen Anbietern der Merchant-of-Record-Vergleich.
| Frage | Stripe, Mollie, PAYONE (Zahlungsdienstleister) | Paddle (Merchant of Record) |
|---|---|---|
| Wer ist dein Kunde? | der Endkunde | Paddle.com Inc. oder Paddle.com Market Limited |
| Wer schreibt die Rechnung an den Endkunden? | du | Paddle |
| Dein Beleg für den Umsatz | deine eigene Rechnung | Reverse Invoice von Paddle je Auszahlung |
| Umsatzsteuer der Endkunden, OSS | deine Pflicht | Paddle führt sie ab, kein OSS für dich |
| Was ist dein Erlös? | Kaufpreis des Kunden | Betrag der Reverse Invoice, nach Abzug von Paddle |
| Gebühr des Anbieters | eigener Aufwand, bei Anbietern aus dem EU-Ausland oft mit § 13b | kein Aufwand, schon im Betrag verrechnet |
| Wie viele Buchungen? | je Zahlung | je Auszahlung und Paddle-Gesellschaft |
Welche Paddle-Gesellschaft kauft bei dir?
Welche Gesellschaft deine Käuferin ist, regelt Ziffer 1.1 des Master Services Agreement in der Fassung vom 6. Oktober 2026. Entscheidend sind zwei Dinge: wo der Endkunde die Transaktion abschließt und wo du als Verkäufer sitzt.
| Gesellschaft | Sitz | Kauft bei dir, wenn | Für einen deutschen Verkäufer |
|---|---|---|---|
| Paddle.com Inc. | USA | der Endkunde die Transaktion in den USA abschließt | Drittland, nicht steuerbar, Kz 45 |
| Paddle Payments Limited | Irland | du im Vereinigten Königreich oder auf der Isle of Man sitzt und der Endkunde außerhalb der USA kauft | kommt nicht vor |
| Paddle.com Market Limited | England und Wales | in allen anderen Fällen | Drittland, nicht steuerbar, Kz 45 |
Für ein Unternehmen aus Deutschland gibt es damit genau zwei Käuferinnen, und beide sitzen außerhalb der EU. Steht auf deiner Reverse Invoice trotzdem die irische Paddle Payments Limited, wäre das eine Leistung an einen Unternehmer in der EU, mit Kennzahl 21 und Zusammenfassender Meldung. Dann lohnt eine Nachfrage bei Paddle, bevor du buchst.
Die Reverse Invoice ersetzt deine Rechnung
Paddle schreibt ausdrücklich, dass du Paddle für deine Auszahlung keine Rechnung stellen musst. Zu jeder Auszahlung erzeugt Paddle automatisch eine Reverse Invoice, also eine Rechnung von dir an Paddle über den Auszahlungsbetrag, ausgestellt von der Käuferin selbst. Das deutsche Umsatzsteuergesetz kennt das als Gutschrift: Der Leistungsempfänger rechnet ab, sofern das vorher vereinbart wurde (§ 14 Abs. 2 Satz 5 UStG). Ziffer 7.3 des Master Services Agreement stellt diese Abrechnung bereit und lässt dir offen, zusätzlich selbst eine Rechnung zu stellen, wo das vorgeschrieben ist.
Je Auszahlungswährung bekommst du eine oder zwei Reverse Invoices, je nachdem, ob du Kunden in den USA, im Rest der Welt oder in beiden hattest, dazu eine Remittance Advice mit dem Gesamtbetrag der Überweisung und monatlich ein Statement. Paddle schickt die Dokumente per E-Mail an die Admins des Kontos, im Dashboard ist der Bereich Payouts für Admins und Nutzer mit der Rolle Finance freigegeben. Wie du die Dokumente mit dem Bankeingang und den einzelnen Verkäufen abgleichst, steht im Artikel Paddle-Auszahlung abstimmen.
Prüf jede Reverse Invoice wie eine eigene Rechnung: deine Firma und Anschrift, die Gesellschaft von Paddle mit Sitz, kein Ausweis deutscher Umsatzsteuer. Paddle selbst sagt dazu, du sollst Paddle keine Umsatzsteuer berechnen, weil die Leistung im Land der Käuferin über die Umkehr der Steuerschuld besteuert wird. Für die Paddle.com Market Limited ist das das Vereinigte Königreich.
Buchungssätze für SKR04 und SKR03
Eine Paddle-Auszahlung in Euro auf ein Bankkonto in Deutschland besteht aus drei Bewegungen: den beiden Reverse Invoices als Erlös und der Überweisung selbst. Das Beispiel zeigt eine solche Auszahlung an ein deutsches Unternehmen mit Kunden in den USA und in Europa, alle Beträge erfunden. Das Verrechnungskonto für Paddle gibt der Kontenrahmen nicht vor, nimm ein freies Konto nur für Paddle.
- Erlöskonto: 4338 im SKR04 und 8338 im SKR03 heißen im DATEV-Kontenrahmen 2026 Erlöse aus im Drittland steuerbaren Leistungen, im Inland nicht steuerbare Umsätze. Ein Steuerschlüssel gehört nicht dazu.
- Voranmeldung: Die Summe der Reverse Invoices steht in Kennzahl 45, Übrige nicht steuerbare Umsätze (Leistungsort nicht im Inland). In Kennzahl 21 und in die Zusammenfassende Meldung gehört sie nicht, denn beide Käuferinnen sitzen außerhalb der EU.
- SWIFT-Gebühr: Laut Master Services Agreement kostet eine internationale Banküberweisung 15 $, 15 € oder 15 £. Laut Paddle fällt sie nur an, wenn die Auszahlungswährung nicht die Währung deines Bankkontos ist; Euro auf ein Konto im Euroraum ist kostenlos. Paddle zieht sie ab, bevor die Reverse Invoice entsteht. Prüf deshalb an der ersten Auszahlung mit SWIFT-Gebühr, ob der Betrag der Reverse Invoice sie schon enthält, und leg mit deiner Kanzlei fest, ob du sie als Aufwand mit § 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG oder als Minderung des Erlöses buchst.
- Geldtransit: Paddle erstellt die Auszahlung am 1. des Monats und überweist bis zum 15. Über 1460 (1360) bleibt nichts hängen, wenn Erstellung und Eingang in verschiedenen Monaten liegen.
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Reverse Invoice Paddle.com Inc. (Kunden in den USA) | Verrechnungskonto Paddle | 4338 (8338) Erlöse Drittland, im Inland nicht steuerbar | 1.240,00 € |
| Reverse Invoice Paddle.com Market Limited (übrige Kunden) | Verrechnungskonto Paddle | 4338 (8338) Erlöse Drittland, im Inland nicht steuerbar | 2.985,00 € |
| Überweisung an dich laut Remittance Advice | 1460 (1360) Geldtransit | Verrechnungskonto Paddle | 4.225,00 € |
| Eingang laut Kontoauszug | 1800 (1200) Bank | 1460 (1360) Geldtransit | 4.225,00 € |
Die Paddle-Gebühr ist kein Aufwand
Die 5 % plus 0,50 $, die Paddle laut Ziffer 3.2 des Vertrags für Paddle Checkout nimmt, buchst du nicht als Gebühr, weil Paddle sie dir nie als Leistung berechnet. Das Master Services Agreement definiert deinen Anspruch als Supplier Fee: den empfohlenen Verkaufspreis abzüglich Sales Tax, abzüglich des Paddle Discount und abzüglich weiterer Beträge nach dem Vertrag. Paddle zahlt dir also einen niedrigeren Preis, statt dir eine Leistung zu verkaufen.
Dasselbe gilt für Erstattungen und Rückbelastungen. Paddle darf sich laut Ziffer 10.4 des Vertrags den erstatteten Betrag samt Bearbeitungskosten zurückholen, für eine Rückbelastung oder eine Pre-Chargeback-Warnung zusätzlich bis zu 20 €, 20 $ oder 20 £ je Fall, und das nach Ziffer 8.1 mit deinen Ansprüchen verrechnen. Diese Beträge mindern die Bewegungen hinter der Auszahlung und damit den Betrag der Reverse Invoice. Eine eigene Gutschrift an den Endkunden oder eine Umsatzkorrektur in deiner OSS-Meldung gibt es dafür nicht.
Das monatliche Statement von Paddle zeigt die Gebühren trotzdem: Paddle-Gebühren, darunter solche für Disputes, SWIFT-Überweisungen und Checkout Recovery. Diese Aufstellung ist eine Information über die Abrechnung, kein Beleg für einen Aufwand, den du zusätzlich buchst.
Bucht jemand den Kundenumsatz als Erlös und die Paddle-Gebühr als Aufwand, sind Umsatz und Aufwand gleichermaßen zu hoch, und die Erlöse stehen womöglich mit deutscher oder OSS-Umsatzsteuer in der Buchhaltung, die du gar nicht schuldest.
Typische Fehler bei Paddle
Diese Fehler tauchen in Paddle-Buchhaltungen immer wieder auf:
- Einzelne Kundentransaktionen aus dem Bericht Transactions als Erlös gebucht, obwohl die Reverse Invoice der Beleg ist. Den Bericht empfiehlt Paddle für Ertragsteuer und Auswertungen, ausdrücklich nicht für die Sales Tax.
- OSS-Meldung für EU-Kunden abgegeben, obwohl Paddle an diese Kunden verkauft und die Steuer abführt.
- Verkäufe an Paddle in Kennzahl 21 und in der Zusammenfassenden Meldung gemeldet, obwohl beide Käuferinnen im Drittland sitzen.
- Eine eigene Rechnung mit 19 % Umsatzsteuer an Paddle geschrieben. Paddle verlangt keine Rechnung und sagt ausdrücklich, dass du keine Umsatzsteuer berechnen sollst.
- Nur eine Reverse Invoice gebucht, obwohl es zur Auszahlung zwei gibt, eine für die USA und eine für den Rest der Welt. Die Summe beider plus Abzüge muss die Remittance Advice ergeben.
Automatisch mit Meridian
Paddle ist in Meridian noch Beta: Den Zugang fragst du nach der Anmeldung an, wir schalten ihn für dein Konto frei. Direkt verbinden kannst du heute Mollie, Stripe, PayPal und CoinGate.
Meridian verbindet sich mit einem Paddle-API-Schlüssel, der nur die Berechtigungen report.read und report.write hat, und liest den Bericht Payout reconciliation. Je Auszahlung und Paddle-Gesellschaft entsteht ein Erlös, also bis zu zwei je Auszahlung, mit der Remittance Reference als Kennung. Paddle.com Inc. und Paddle.com Market Limited bucht Meridian als Drittland auf dein Konto für nicht steuerbare Erlöse, voreingestellt 4338. Für Verkäufe außerhalb der USA ist Paddle.com Market Limited voreingestellt; steht auf deiner Reverse Invoice eine andere Gesellschaft, stellst du sie beim Verbinden um.
SWIFT-Gebühren (swift_fee) bucht Meridian nur auf dein Gebührenkonto, wenn du in den Einstellungen der Paddle-Verbindung einen eigenen Steuerschlüssel für Gebühren einträgst, sonst auf das Interimskonto. Der Schlüssel deiner Firma für Gebühren gilt meist für Anbieter aus der EU und passt hier nicht, weil eine Gesellschaft außerhalb der EU die Gebühr berechnet. Manuelle Gutschriften von Paddle (rebate) gehen zur Klärung auf das Interimskonto, die Auszahlung über den Geldtransit. Eine eigene Rechnung stellt Meridian nicht aus, der Beleg bleibt die Reverse Invoice. Erstattungen und Rückbelastungen stecken bereits im Betrag der Reverse Invoice und erscheinen nicht einzeln. Mehr zur Verbindung steht auf der Seite Paddle DATEV Schnittstelle.
Häufige Fragen
Muss ich Paddle eine Rechnung schreiben?
Nein. Paddle erzeugt zu jeder Auszahlung automatisch eine Reverse Invoice, also eine Gutschrift im Sinne von § 14 Abs. 2 Satz 5 UStG, und schreibt selbst, dass du keine Rechnung stellen musst. Deinen Endkunden stellt Paddle die Rechnungen aus, weil Paddle an sie verkauft.
Auf welches Konto buche ich Paddle-Einnahmen?
Für ein deutsches Unternehmen auf 4338 im SKR04 oder 8338 im SKR03, Erlöse aus im Drittland steuerbaren Leistungen, gegen ein eigenes Verrechnungskonto für Paddle. Beide Käuferinnen, Paddle.com Inc. und Paddle.com Market Limited, sitzen außerhalb der EU.
Ist die Paddle-Gebühr eine Betriebsausgabe?
Die 5 % plus 0,50 $ für Paddle Checkout nicht, sie sind als Paddle Discount schon vom Betrag der Reverse Invoice abgezogen. Dazu kommt höchstens eine SWIFT-Gebühr von 15 $, 15 € oder 15 £, wenn die Auszahlungswährung nicht die Währung deines Bankkontos ist. Paddle zieht sie ab, bevor die Reverse Invoice entsteht; ob du sie als Aufwand oder als Minderung des Erlöses buchst, legst du mit deiner Kanzlei fest.
Warum bekomme ich zwei Reverse Invoices zu einer Auszahlung?
Weil zwei Paddle-Gesellschaften bei dir kaufen: Paddle.com Inc. für Kunden in den USA und Paddle.com Market Limited für alle anderen. Hattest du im Zeitraum nur Kunden auf einer Seite, gibt es nur eine.
Quellen
- Paddle, Master Services Agreement, Stand 6. Oktober 2026 (Ziffer 1.1, 2.1, 3, 4.1, 7, 8.1, 10.4)
- Paddle Help, What statements will I receive
- Paddle Help, Do I need to invoice Paddle for my payout
- Paddle Help, Should I charge Paddle VAT for payouts
- Paddle Help, Is there a fee taken for payouts
- Paddle Developer, Payout reconciliation report
- § 3a UStG, Ort der sonstigen Leistung
- § 14 UStG, Ausstellung von Rechnungen und Gutschrift
- BMF, Vordruckmuster Umsatzsteuer-Voranmeldung 2026 (Kz 21, 45)
- DATEV, Kontenrahmen SKR 04, gültig für 2026
- DATEV, Kontenrahmen SKR 03, gültig für 2026
Die Anbindung an Paddle läuft in Meridian als Beta. Den Zugang fragst du nach der Anmeldung an, wir schalten ihn für dein Konto frei. Danach bucht Meridian Paddle automatisch in DATEV: 99,99 € netto im Monat, 14 Tage kostenlos.